Laura möchte in ihr Business investieren. Sie hat ein Angebot entdeckt, das gut zu ihr passt. Der Inhalt stimmt, der Zeitpunkt fühlt sich richtig an und der Preis liegt in einem Rahmen, der machbar wirkt. Also öffnet sie ihre Banking-App. Der Kontostand sieht gut aus. „Das geht“, denkt sie.
Eigentlich könnte die Entscheidung damit gefallen sein. Geld ist da, der Preis passt und Laura muss für die Investition keinen Kredit aufnehmen. Trotzdem bleibt ein kleines Fragezeichen. Nicht groß genug, um die Idee sofort zu verwerfen. Aber deutlich genug, dass sie noch nicht auf „Buchen“ klickt. Denn Business-Zahlen im Überblick zu haben, bedeutet mehr, als kurz auf den Kontostand zu schauen.
Der Kontostand sagt Ja
Der Kontostand beantwortet Lauras erste Frage. Wie viel Geld ist heute verfügbar? Die Antwort sieht beruhigend aus. In den vergangenen Wochen sind mehrere Kundenzahlungen eingegangen. Die üblichen monatlichen Kosten sind abgebucht. Das Konto ist nicht leer und auch nicht knapp.
Also müsste die Investition doch möglich sein. Nur ist der Kontostand eine Momentaufnahme.Er zeigt, was heute auf dem Konto liegt. Er erzählt nicht, wie dieses Geld entstanden ist. Er weiß nicht, welche Einnahmen Laura noch erwartet. Und er erinnert sie auch nicht daran, welche Zahlungen demnächst fällig werden.
Der Kontostand sagt nur: Dieses Geld ist jetzt da. Was er nicht sagt: Dieses Geld kann ohne Folgen ausgegeben werden.
Die BWA liegt auch irgendwo
Laura erinnert sich an die letzte E-Mail ihrer Steuerberatung. Im Anhang war die aktuelle BWA. Sie öffnet die Datei und schaut auf mehrere Tabellen, Spalten und Zahlen. Umsätze, Kosten, Ergebnis und einige Positionen, deren Bedeutung ihr nicht sofort klar ist.
Die BWA zeigt, was in ihrem Business bisher wirtschaftlich passiert ist. Laura sieht, dass sie Umsatz gemacht hat. Sie sieht verschiedene Ausgaben und ein Ergebnis. Trotzdem beantwortet ihr das Dokument nicht die eine Frage, die sie gerade beschäftigt: Kann ich mir diese Investition leisten?
Sie schaut noch einmal auf die Zahlen. Danach schließt sie die Datei wieder. Nicht, weil die BWA unwichtig wäre. Sondern weil Laura nicht weiß, welche der vielen Zahlen sie für ihre Entscheidung braucht und wie sie diese einordnen soll.
Die Information ist vorhanden. Der Überblick noch nicht.
Erwartete Einnahmen fühlen sich schon fast wie Geld an
Laura hat in diesem Monat bereits mehrere Rechnungen verschickt. Einige Kundinnen zahlen erfahrungsgemäß schnell. Bei anderen kann es etwas länger dauern. Eine Rechnung ist gerade erst rausgegangen, eine weitere müsste eigentlich in den nächsten Tagen bezahlt werden. Innerlich zählt Laura einen Teil dieser Einnahmen bereits mit. Das Geld ist noch nicht auf dem Konto, fühlt sich aber fast so an, als wäre es schon da. Schließlich wurden die Leistungen erbracht. Die Rechnungen sind geschrieben.
Die Kundinnen werden bezahlen. Nur der Zeitpunkt ist nicht sicher. Aus einer erwarteten Einnahme wird jedoch erst dann verfügbares Geld, wenn sie wirklich eingegangen ist. Bis dahin ist sie eine Zahl mit Hoffnungsschimmer.
Die üblichen Ausgaben hat Laura im Kopf
Ihre monatlichen Kosten kennt Laura ziemlich gut. Telefon, Internet, Buchhaltungssoftware, ein paar Tools und die regelmäßigen Abbuchungen. Das läuft alles und überrascht sie normalerweise nicht.
Doch als sie durch ihr E-Mail-Postfach scrollt, entdeckt sie eine Rechnung für ein Jahresabo.
Dann fällt ihr ein, dass bald noch eine Versicherung fällig sein müsste.
Wann war eigentlich die nächste Steuerzahlung?
Und gab es nicht noch eine Software, die ebenfalls jährlich abgerechnet wird?
Plötzlich tauchen mehrere Zahlungen auf, die nicht zu den üblichen monatlichen Kosten gehören. Keine davon ist vollkommen unerwartet. Laura hat sie schließlich irgendwann abgeschlossen, vereinbart oder bereits im vergangenen Jahr bezahlt. Nur die Termine hat sie nicht im Blick. Ein Teil der Informationen steckt in E-Mails. Ein anderer in Verträgen. Weitere Beträge stehen in Steuerunterlagen, im Onlinebanking oder in ihrem Kopf.
Überall sind Zahlen. Nur nirgendwo das vollständige Bild.
Das ist übrigens auch mir im vergangenen Monat passiert. Auf meinem Konto tauchte die Abbuchung für ein Software-Jahresabo über rund 150 Euro auf. Das Unternehmen verschickt vorher keine Zahlungsankündigung.
Der Kontostand hatte die Überraschung schon verbucht. Ich noch nicht.
Bei 150 Euro gerät das Business nicht ins Wanken.
Der Moment zeigt trotzdem, wie leicht eine Zahlung aus dem Blick geraten kann.
Jede Zahl erzählt nur einen Teil

Laura sitzt noch immer vor ihrem Laptop. Der Kontostand sieht gut aus. Die BWA zeigt, was in den vergangenen Monaten passiert ist. Mehrere Rechnungen sind geschrieben, aber noch nicht bezahlt. Die üblichen Ausgaben kennt sie. Andere Zahlungen tauchen erst nach und nach wieder in ihrer Erinnerung auf. Keine dieser Zahlen ist falsch. Keine ist unwichtig.Aber jede beantwortet eine andere Frage.
Der Kontostand zeigt, was heute verfügbar ist.
Die Buchhaltung zeigt die Vergangenheit.
Offene Rechnungen zeigen mögliche kommende Einnahmen, ohne deren Zeitpunkt sicher festzulegen.
Anstehende Ausgaben zeigen, was in nächster Zeit vom Konto verschwinden wird.
Erst zusammen entsteht daraus ein Bild, das eine geschäftliche Entscheidung tragen kann.
Laura hat also nicht zu wenige Zahlen. Sie hat sogar ziemlich viele. Was ihr fehlt, ist die Verbindung zwischen ihnen.Erst wenn Laura ihre Business-Zahlen im Überblick sieht, kann sie einschätzen, was die Investition für ihr Business bedeutet.
Viele Zahlen sind noch kein Finanzüberblick
Laura schaut wieder auf das Angebot, in das sie investieren möchte. Sie entscheidet sich noch nicht. Nicht, weil die Investition grundsätzlich zu teuer ist. Auch nicht, weil ihr Business schlecht läuft. Sie merkt nur, dass sie ihre Entscheidung bisher auf eine einzige Zahl stützen wollte. Der Kontostand sah gut aus und sollte ihr die Erlaubnis geben.
Doch ein Finanzüberblick ist komplexer, als kurz in die Banking-App zu schauen. Auch eine BWA, ein Stapel Rechnungen oder eine Liste mit Ausgaben ergeben für sich allein noch keine Klarheit. Zahlen können vollständig vorhanden sein und trotzdem kein Gesamtbild ergeben. Business-Zahlen im Überblick bedeuten deshalb nicht, möglichst viele Werte vorliegen zu haben, sondern ihre Zusammenhänge zu verstehen. Und erst als Laura das erkennt, versteht sie, warum sich ihre finanzielle Lage trotz eines guten Kontostands manchmal unsicher anfühlt. Sie braucht nicht mehr Zahlen.
Sie braucht jemanden, der mit ihr zusammen daraus einen Überblick macht. Laura lehnt sich zurück und schaut noch einmal auf die geöffneten Unterlagen. „Da muss ich mal Ingrid anrufen“, denkt sie.
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