Chaos unter Chefinnenaufsicht

Dein Backoffice läuft. Rechnungen werden geschrieben, E-Mails beantwortet, Termine eingehalten und Unterlagen am Ende doch noch gefunden. Also alles in Ordnung?

Nicht unbedingt. Oft läuft es nur deshalb, weil du aufmerksam mitläufst. Du erinnerst dich, kontrollierst, suchst nach und fängst offene Punkte auf, bevor sie auffallen.

Das sieht nach Organisation aus. In Wirklichkeit ist es oft verstecktes Chaos im Backoffice, das du mit deiner Aufmerksamkeit zusammenhältst.

Was im Alltag so passieren kann

Du bekommst eine Mahnung, weil eine Rechnung übersehen wurde. Kein Drama.
Du bezahlst sie und die Sache ist erledigt.

Oder du erinnerst dich plötzlich an eine E-Mail, die du noch beantworten wolltest. Nun suchst du sie zwischen den anderen Nachrichten in deinem Posteingang. Bei 7.000 E-Mails hat sie inzwischen reichlich Gesellschaft bekommen.

Auch Unterlagen tauchen gern in mehreren Versionen auf. Du findest eine Datei, bist dir aber nicht sicher, ob das wirklich die letzte Fassung ist. Irgendwo müsste doch noch eine neuere sein. Oder war das nur eine Kopie?

Alles Kleinigkeiten. Nichts davon bringt dein Business ins Wanken. Deshalb bleibt das versteckte Chaos im Backoffice so lange unauffällig. Du zahlst, suchst, findest und regelst das. Nur zeigt sich darin etwas, das im Alltag leicht übersehen wird: Es funktioniert, weil du die Lücken auffängst. Nicht, weil für Rechnungen, E-Mails und Unterlagen verlässliche Abläufe bestehen.

Was hinter diesen kleinen Pannen steckt

Im Backoffice entscheidet sich, was mit einer eingehenden Rechnung geschieht, wo eine offene Aufgabe bleibt und wie eine Information wiedergefunden wird. Fehlen dafür klare Abläufe, übernimmst du selbst diese Aufgabe. Du merkst dir, was noch offen ist, erinnerst dich im richtigen Moment und greifst ein, bevor etwas wirklich schiefläuft.

Das fühlt sich im Alltag nicht nach einem schlecht organisierten Backoffice an. Es fühlt sich einfach nach viel Papierkram und einer Chefin an, die eben überall mitdenken muss.

Manche Tipps machen das Chaos nur hübscher

Weil jede kleine Panne wie ein Einzelfall aussieht, suchen wir meistens auch nach einer einzelnen Lösung.

Für unbeantwortete E-Mails wird ein Ordner mit dem Namen „Zu beantworten“ angelegt. Das kann wunderbar funktionieren, wenn man diesen Ordner regelmäßig öffnet. Wer allerdings alles aus dem Blick verliert, was nicht sofort sichtbar ist, hat damit nur einen sehr ordentlichen Ort geschaffen, an dem unbeantwortete E-Mails verschwinden können.

Ich kenne das Prinzip noch aus der guten alten analogen Zeit.

Damals gab es den Tipp, offene Unterlagen in Hängeordnern am Schreibtisch aufzubewahren. So blieb die Schreibtischfläche frei und alles sah wunderbar aufgeräumt aus. Ich habe das natürlich ausprobiert. Mein Schreibtisch war anschließend tatsächlich frei. Die Unterlagen lagen ordentlich in den Hängeordnern und dümpelten dort fröhlich vor sich hin, bis sie irgendwann wieder ans Licht durften.Ich war dadurch nicht besser organisiert. Ich hatte meine offenen Aufgaben nur sehr professionell versteckt.

Was analog nicht funktioniert, wird durch eine digitale Ablage nicht automatisch besser.
Das bedeutet nicht, dass der Tipp schlecht war. Er passte nur nicht zu meiner Arbeitsweise.

Deshalb entsteht eine verlässliche Businessorganisation nicht aus möglichst vielen Tipps. Sie entsteht, wenn du erkennst, welche Probleme immer wieder auftreten, was sie miteinander verbindet und welche Lösung in deinem Alltag tatsächlich funktioniert.

Eine verlässliche Organisation entsteht nicht zwischen zwei Kundenterminen

Im Alltag siehst du vor allem das Problem, das gerade vor dir liegt. Du bezahlst die Mahnung, suchst die E-Mail oder entscheidest dich für eine der drei Dateiversionen. Danach wartet schon die nächste Aufgabe.

So bleibt kaum Zeit, die einzelnen Vorfälle zusammenzubringen und zu prüfen, warum sie immer wieder entstehen. Und selbst wenn du einen guten Tipp findest, weißt du noch nicht, ob er zu deiner Arbeitsweise und deinem Business passt.

Eine verlässliche Businessorganisation entsteht deshalb nicht durch eine einmalige Aufräumaktion. Du musst beobachten, was im Alltag tatsächlich passiert, Abläufe verändern und anschließend prüfen, ob sie auch an vollen Tagen funktionieren. Manches passt sofort. Anderes sieht auf dem Papier wunderbar aus und verschwindet nach zwei Wochen gemeinsam mit den guten Vorsätzen.

Eine Begleitung von außen sorgt dafür, dass du nicht wieder nur die nächste Panne beseitigst. Sie erkennt die Zusammenhänge, behält die Veränderungen mit dir im Blick und hilft dir, Lösungen so lange anzupassen, bis sie nicht nur vernünftig klingen, sondern auch zu dir und deinen Business passen.

gerne teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

60 − 53 =